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Haupt-Dashboard: zentrale Cashflow-Kennzahlen, Trends und Erkenntnisse.

AxiomLens – Cashflow-Analyse für kleine Unternehmen

Zerstreute Daten zum umsetzbaren Überblick formen

Dieses selbst initiierte Konzept zeigt, wie ein SaaS-Dashboard kleinen und mittleren Unternehmen sowie Freiberuflern einen klaren Cashflow-Überblick verschafft und dank KI-gestützter Prognosen ermöglicht, rechtzeitig zu handeln – bevor Probleme überhaupt entstehen. Ich habe die datenintensive UI klar strukturiert, Kennzahlen auf einen Blick gemacht und User Flows so gestaltet, dass sie jederzeit ruhig und verlässlich wirken.


Projekt auf einen Blick

Meine Rolle

Produktkonzept, UI/UX-Design, UX-Research, Interaktionsmuster, Dashboard-Informationsarchitektur, Microcopy, Grundlagen des Visual-Design-Systems

Zeitrahmen

~2 Wochen Abendarbeit – von den ersten Skizzen bis zu ausgereiften Hi-Fi-Screens

Tools

Figma, Google Sheets & Docs, Notion, ChatGPT, UX Pilot

UX des Dashboards Datenintensive UI Research Branding Finanz-SaaS Designsystem-Grundlagen Microcopy (EN)

Herausforderungen

Freelancer:innen und kleine Unternehmen stützen sich auf einen Flickenteppich aus Banking-Apps, Rechnungstools und Tabellen. Zahlen gibt es viele, aber nur selten einen klaren Blick darauf, wie sich Geld über die Zeit bewegt, wann eine Liquiditätslücke droht oder welche Kund:innen Zahlungen ausbremsen. Viele Dashboards überfordern mit visueller Lautstärke oder bleiben zu oberflächlich – und KI-Hilfen werden selten so umgesetzt, dass sie wirklich transparent und vertrauenswürdig sind.

Ziel

Grafisches Konzept für AxiomLens, ein Cashflow-Analytics-Tool: Eine zentrale Plattform, die Einnahmen, Ausgaben und Rechnungen zusammenführt und um gut verständliche KI-Insights erweitert wird. Der Fokus liegt auf einer datenreichen, aber in Sekundenschnelle erfassbaren Oberfläche mit klaren Übergängen zwischen Gesamtüberblick, Rechnungsverwaltung und detaillierter Historie – damit Nutzer:innen ihre finanzielle Situation in einem einzigen, verlässlichen Interface im Blick behalten.

Meine Highlights

  • Dunkles Dashboard mit klarer Hierarchie der wichtigsten Kennzahlen und Trends
  • Ein Set wiederverwendbarer Karten für Einnahmen, Ausgaben, Steuern und KI-Insights
  • Rechnungstabelle und Detailansicht (Status, Fälligkeiten, schnelle Aktionen)
  • Konsistentes Komponenten-System für Zahlungsstatus und andere Zustände
  • Texte und Labels von Anfang an lokalisierungsfreundlich geschrieben

Ergebnis

  • Vier konsistente Hi-Fi-Screens, bereit für das Handover ins Dev-Team oder für interaktive Prototypen
  • Eine Informationsarchitektur, die Cashflow, Rechnungen und KI-Insights nachvollziehbar miteinander verknüpft
  • Eine stabile Basis für das Designsystem (Typografie, Layout, Karten, Badges, Styles)
  • Eine Case Study zu Problemdefinition, Designentscheidungen und geschäftlichem Mehrwert

Problem & Kontext

Ausgangspunkt

Statt noch eine generische Finanz-App zu entwerfen, habe ich mich auf ein sehr konkretes Szenario konzentriert: Gründer:innen oder Freelancer:innen öffnen das Dashboard für einen kurzen Check-in, bevor sie mit der Arbeit starten. In diesem Moment bleibt keine Zeit für tiefgehende Analysen – sie wollen nur sehen, ob heute irgendwo Handlungsbedarf besteht.

In der Realität liegen diese Daten an verschiedenen Orten und auf unterschiedlichen Zeitachsen: tägliche Kontobewegungen, monatliche Abos, unregelmäßige Rechnungen und Steuern, die monatlich, quartalsweise oder jährlich fällig werden. AxiomLens ist als Experiment gestartet, all diese Zeitachsen in einer einzigen Arbeitsansicht zu bündeln: Was bereits passiert ist, was eingeplant ist und was zum Problem werden könnte, wenn alles so weiterläuft wie bisher.

Zentrale Herausforderungen

  • Daten zusammenzubringen, die auf verschiedenen Zeitebenen laufen: einzelne Rechnungen, Monatswerte, Quartalszahlen.
  • Visuelle Signale für überfällige Posten entwickeln, die Dringlichkeit erzeugen, ohne Panik zu machen..
  • KI-Erkenntnisse in kurze, gut lesbare Hinweise zu übersetzen, statt sie als undurchsichtige „Prognosen“ stehenzulassen.
  • Die Oberfläche so gestalten, dass sie auch für Menschen ohne Buchhaltungs-Background verständlich bleibt, ohne bei der nötigen Detailtiefe Abstriche zu machen.

Erfolgskriterien für das Interface

  • Die Hauptansicht soll drei einfache Fragen beantworten:
    - „Wie stehen wir im Moment da?“;
    - „Worum müssen wir uns heute oder diese Woche kümmern?“;
    - „Kommt demnächst etwas Risikoreiches auf uns zu?“
  • Risiken – Liquiditätslücken, überfällige Rechnungen, bevorstehende größere Ausgaben – sind in klar abgegrenzten Bereichen gebündelt und nicht hinter Filtern versteckt.
  • Dichte Tabellen und Charts bleiben dank konsistentem Layout, zurückhaltender Farbgebung und wiederkehrender Muster schnell erfassbar.

Konzeptgrenzen

  • Im MVP gibt es nur eine Ein-Benutzer-Ansicht: keine Rollenmodelle für mehrere Nutzer und keine Kollaborationstools in dieser Iteration.
  • Der Funktionsumfang ist auf Cashflow und Rechnungen begrenzt; es ist keine vollständige Buchhaltungs- oder Steuersoftware.
  • Der Datenimport aus Banking- und Rechnungstools wird als vorhanden angenommen; das Projekt konzentriert sich auf Darstellung und Entscheidungsunterstützung, nicht auf die Integrationen selbst (hier bleibt für das Entwicklungsteam noch genug Arbeit).

Nutzende & Ziele

Ich habe AxiomLens nicht nur als zentrales Cockpit für alle Zahlen konzipiert, sondern auch als Möglichkeit, die eigene finanzielle Lage aktiv zu verbessern. Mit Hilfe von KI-Analysen und verständlichen Insights macht das Tool Muster und Ereignisse sichtbar, die man leicht übersieht, und hilft dabei, den eigenen Cashflow mit einem aufmerksameren, mitdenkenden System zu steuern.

Vielbeschäftigter Kleinunternehmer

Guy avatar

Frank, 33

Inhaber eines kleinen Kreativstudios

Führt ein kleines Unternehmen mit ein paar Mitarbeitenden und Freelancern. Zwischen Kundenkontakt und Produktion hat er nur kurz Zeit für schnelle Finanzchecks und Entscheidungen.

Was er auf einen Blick braucht

  • Ob die nächsten 2-4 Wochen abgedeckt sind (Miete, Löhne, Fixkosten).
  • Welche Rechnungen überfällig sind, in welcher Höhe und wie sich das auf den aktuellen Monat auswirkt.
  • Eine einzige „Jetzt + Nächstes“-Ansicht, ohne jede Woche Tabellen neu aufzusetzen.

Frustpunkte

  • Daten liegen verstreut in Banking-Apps, Excel und Rechnungstools.
  • Abende gehen fürs Zahlenabgleichen drauf, statt das Geschäft voranzubringen.

Freiberufliche Beraterin

Max avatar

Jing, 29

Beraterin mit mehreren laufenden Mandaten

Arbeitet mit mehreren Kunden auf Retainer- und Projektbasis. Zahlungsziele variieren stark, und ihr Einkommen ist unregelmäßig und schwer einzuschätzen.

Was sie auf einen Blick braucht

  • Wiederkehrende Rechnungen und künftige Lücken sehen.
  • Umsatz nach Kunden/Projekten – sichtbar, wer ihn wirklich treibt.
  • Sanfte Reminder, Rechnungen zu schicken oder nachzuhaken, bevor Verzögerungen peinlich werden.

Frustpunkte

  • Kein zentraler Ort, um alle anstehenden Zahlungen zu sehen und den Cashflow zu steuern.
  • Langsame Monate kommen überraschend, weil Probleme erst auffallen, wenn das Konto schon niedrig ist.
  • Regelmäßige „Hab ich diese Rechnung überhaupt geschickt?“-Momente spät nachts, die dauernd leichtes Unbehagen auslösen.

Dashboard- und Designziele

User-Ziele

  • Heutige Liquidität und die nächsten 30-45 Tage an einem Ort sehen.
  • Überfällige oder riskante Rechnungen sehen, ohne Mails und Tabellen zu durchsuchen.
  • Verstehen, was den Trend rauf oder runter treibt – bestimmte Kunden, Monate oder Rechnungen.
  • Schnell entscheiden, ob investiert, gespart, verschoben oder nachgefasst wird.
  • Eine einfache, exportierbare Übersicht mit Steuerberater, Co-Founder oder Partner teilen.

Produkt- & UX-Prinzipien

  • Verstreute Finanzdaten in eine verlässliche Arbeitsansicht verwandeln – keine Chart-Wand.
  • Risiken mit klaren, gut lesbaren Visuals hervorheben.
  • Navigation bewusst flach halten: vom Dashboard zu Details in 1-2 Klicks.
  • Muster entwerfen, die später auf Steuern, Abos und tiefere KI-Insights erweiterbar sind, ohne den Kern neu zu bauen.

Zentrale Screens

Ein näherer Blick auf den Kernflow von AxiomLens: vom Haupt-Dashboard über eine detailliertere Cashflow-Ansicht hin zur Rechnungsübersicht. Zusammengenommen zeigen diese Screens, wie dichte Finanzdaten in einen einfachen Loop gebracht werden: Lage verstehen, Problem erkennen, Details öffnen und handeln.

Haupt-Dashboard. Überblick über den Cashflow auf hoher Ebene: Kennzahlen, Trends und KI-Insights in einer fokussierten Ansicht.
01 · Haupt-Dashboard

Täglicher Check-in-Screen – der Einstieg ins Produkt

Das Haupt-Dashboard ist der Screen, den Frank, Jing und andere User am häufigsten sehen. Es bündelt Kennzahlen, Trends, KI-Insights und die neuesten Rechnungen in einer Arbeitsansicht, sodass ein kurzer Blick reicht, um zu erkennen, ob heute etwas Aufmerksamkeit braucht.

Als erster Screen, den alle Nutzer:innen zuerst sehen, musste er eine sorgfältige Balance zwischen Informationsdichte, visueller Ruhe und klaren nächsten Schritten schaffen. Er definiert außerdem die visuelle Sprache des gesamten Produkts und war deshalb der am stärksten iterierte Screen – von frühen Wireframes bis hin zu mehreren High-Fidelity-Versionen, die im Abschnitt „Designprozess & Iterationen“ dokumentiert sind.

Zentrale Designentscheidungen:

  • Kennzahlen-Karten für Einnahmen, Ausgaben, Gewinn und fällige Steuern geben einen schnellen Überblick über den Status plus kurze Trendhinweise zum Vormonat.
  • Die Cashflow-Übersicht zeigt, wie es über den gewählten Zeitraum zu der aktuellen Lage kam – mit einem einfachen Sprung in die Vollansicht.
  • Das KI-Insights-Panel hebt Risiken und Chancen in Klartext hervor und verlinkt direkt zu den passenden Ansichten.
  • Die Tabelle mit aktuellen Rechnungen erdet den Überblick in konkreten Kunden und Beträgen – mit klaren Status-Badges und Aktionen mit einem Klick.
  • Ein dunkles, ruhiges UI mit enger Grid-Struktur und zurückhaltenden Farben hält dichte Daten gut lesbar, ohne wie ein Trading-Terminal zu wirken (und sieht einfach toll aus).
Cashflow-Übersicht. Diagramm zu Ein- und Ausgängen mit Filtern und kurzen Insight-Karten, die zeigen, was sich geändert hat und wodurch.
02 · Cashflow-Übersicht

Trends sehen, ohne die Geschichte dahinter zu verlieren

Hier geht es eine Ebene höher: Wie sich Geld über den gewählten Zeitraum bewegt – nach Konto, Jahr und Quartal. Statt nur eines Kontostands zeigt der Screen, wie Ein- und Ausgänge Woche für Woche zusammenlaufen (in diesem Szenario).

Zentrale Designentscheidungen:

  • Das Diagramm legt Ein- und Auszahlungen auf dieselbe Skala mit feinem Raster, sodass Trends und Lücken sofort ins Auge fallen..
  • Filter für Konto, Jahr und Quartal/Monat beantworten Fragen wie „Wie lief Q4 auf dem Hauptkonto?“ – ohne den Screen zu wechseln.
  • Die Karten unter dem Diagramm übersetzen Muster in Klartext: saisonale Spitzen, Sparpotenzial oder Rechnungen, die das Quartal aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Die UI rund ums Diagramm bleibt bewusst zurückhaltend; Aktionen wie „Bericht exportieren“ sind da, aber nicht im Weg.
Rechnungsliste. Dichte, aber klare Tabelle mit Status-Badges, Schnellaktionen und Insight-Karten, um lange Abrechnungsverläufe zügig durchzugehen.
03 · Rechnungen

Das Arbeitstier für den Rechnungsalltag

Hier steuern Frank und Jing ihr reinkommendes Geld. Der Screen verbindet zentrale Kennzahlen zu Rechnungen mit einer dichten, aber gut lesbaren Tabelle – so wird aus „Wie viel steckt noch in Rechnungen?“ in wenigen Sekunden „Welche gehe ich zuerst an?“.

Zentrale Designentscheidungen:

  • Die Karten oben geben einen schnellen Überblick: insgesamt gestellt, bezahlt, überfällig und die durchschnittliche Zahlungszeit.
  • Filter für Status, Konto und Jahr grenzen die Liste schnell ein, ohne die Seite zu verlassen.
  • Eine aufgeräumte Rechnungstabelle lässt sich auch über lange Zeiträume gut überfliegen und sortieren.
  • Aktionen direkt in der Tabelle halten Standardaufgaben mit einem Klick erreichbar, statt sie in Menüs zu verstecken.
Rechnungsdetails. Fokussiertes Overlay mit Kundendaten, Postenübersicht, Summen und einem visuellen Zahlungsverlauf.
04 · Rechnungsdetails

Alle Infos zur Rechnung, ohne den Flow zu unterbrechen

Das Öffnen einer Rechnung soll sich leicht und selbstverständlich anfühlen. Die Detailansicht liegt als Overlay über der Liste: Man kann Daten prüfen, eine Erinnerung schicken, die Historie ansehen oder das PDF herunterladen – dann schließen und genau an der gleichen Stelle in der Liste weitermachen.

Zentrale Designentscheidungen:

  • Das Overlay hält Nutzer in der Rechnungsansicht, statt sie auf eine neue Seite zu schicken.
  • Der Kundenblock mit Kontaktdaten und Rechnungsadresse sitzt oben und lässt sich so schnell prüfen oder für Follow-ups nutzen.
  • Der Betragsbereich trennt Zwischensumme, MwSt. und Gesamt klar, damit Beträge nicht falsch gelesen werden.
  • Die Verlaufslinie zeigt: erstellt, gesendet, gesehen, bezahlt – Gespräche à la „Die Rechnung ist nie angekommen“ werden deutlich schwerer, sofern beide Seiten AxiomLens nutzen.

Logo und Markenauftritt

Bei einem Finanzprodukt beginnt Vertrauen oft beim Logo. Eine stimmige Markenidentität kann viele Ecken und Kanten früher Versionen abfedern, eine holprige lässt selbst ein gutes Konzept schnell nach Hobbyprojekt aussehen – lange bevor jemand es wirklich ausprobiert. Für AxiomLens brauchte ich ein Zeichen, das analytisch und modern wirkt, dezent auf „smarte“ KI-Unterstützung anspielt und trotzdem zuerst als Finanztool gelesen wird. Der Name gibt die Richtung schon vor: „Axiom“ als verlässliche Grundlage, „Lens“ als Linse auf die Daten. Die Entwürfe unten zeigen den Weg von einer eher generischen „AI + Blende“-Marke hin zu einem bodenständigeren, diagrammbasierten Symbol, das besser zum Produkt passt – auch wenn es noch weit weg von perfekt ist.

Wofür die Marke steht

  • Reine finanzielle Klarheit. Seriös genug für echtes Geld, ohne wie eine Trading-App oder Krypto-Plattform zu wirken.
  • Smart, aber nicht Sci-Fi. Ein dezenter Hinweis auf KI und Automatisierung, ohne das Logo wie ein Tech-Gadget-Icon aussehen zu lassen.
  • Stabil und geerdet. Klare Geometrie und ein zugrunde liegendes Grid, das Struktur, Verlässlichkeit und langfristige Nutzung vermittelt.

Namenslogik

  • Axiom – eine verlässliche Grundlage, auf der Entscheidungen sicher stehen.
  • Lens – Fokus und Klarheit, eine direkte Metapher für den Blick nach vorn.
  • Zusammen steht AxiomLens für „verlässliche Zahlen, klar im Blick“.

Logo-Entwicklung

Kamera-Blende mit Schaltlinien – verbindet Linsenmotiv mit einem smarten System-Feeling
Iteration 2: gleiches Symbol mit horizontalem Schriftzug – besser lesbar in Titeln und auf weißem Grund
Diagramm-Icon auf dunklem Grund: Finanzbezug klar, wirkt aber etwas aggressiv
Wortmarke in Electrolize wirkt leicht technisch, die Farbpalette ist jetzt ruhiger

Designprozess & Iterationen

Bei AxiomLens bin ich so vorgegangen, wie ich es auch bei einem echten Produkt machen würde: erst Flows und Informationsstruktur, dann eine Phase mit groben Lo-Fi-Skizzen, danach gezieltere Hi-Fi-Iterationen, die ich mit Usability-Tests abgeklopft habe. Das finale visuelle System kam erst ganz zum Schluss. Wichtig war mir, zuerst zu prüfen, ob die Logik trägt: Welche Screens gibt es, was soll darauf zu sehen sein und wie leicht kommen Leute von A nach B – und erst danach das Feintuning bei Datenmenge, Hierarchie und Farben zu machen.

Von Flows zum fertigen Dashboard

  1. Flow-Map und Wireframe-Logik. Zuerst habe ich die zentralen Bereiche – Cashflow, Rechnungen, Kunden, Ausgaben, Steuern, Insights, Einstellungen und Mobile – in einem zusammenhängenden Wireframe-Flow angeordnet. So wurde klar, welche Screens es geben soll, wie sie zusammenhängen und welche Fragen jeder einzelne beantwortet.
  2. Lo-Fi-Layout mit KI-Unterstützung. Aus dem Flow als Briefing habe ich eine grobe Lo-Fi-Version des Haupt-Dashboards gebaut, um die Informationsdichte zu testen: Welche Kennzahlen oben im sichtbaren Bereich landen, was nach unten rutschen kann und wie viel Inhalt noch gut auf einen Screen passt, ohne gequetscht zu wirken.
  3. Hi-Fi-Iterationen zur Hierarchie. In der Hi-Fi-Phase habe ich verschiedene Varianten ausprobiert und die Gewichtung zwischen Schnellüberblick, Rechnungsbereich und Diagrammen verschoben. Manche Entwürfe setzten stärker auf Verläufe und Tiefe, andere auf flachere, eher editoriale Layouts, damit das Produkt ruhig, aber trotzdem hochwertig wirkt.
  4. Usability-Tests und Feedback. Ich habe zehn moderierte Remote-Sessions mit deutschen Freelancern auf Basis eines interaktiven Prototyps durchgeführt. Dabei wollte ich sehen, wie leicht sie durch Kernaufgaben kommen und an welchen Stellen der Flow hakt: wo etwas unklar wird, wo die Navigation ins Leere läuft oder der Screen einfach zu voll wirkt – und das alles, bevor ich eine finale Richtung festgelegt habe. Ihr Feedback führte zu Anpassungen bei der Platzierung der KI-Insights, dem Kontrast der Statusanzeigen und zu einer etwas weicheren Farbpalette.
  5. Annäherung ans finale Layout. Das endgültige Dashboard kombiniert die stärksten Elemente der Iterationen: klarere Rechnungsdarstellung, eine aussagekräftigere Zusammenfassungsleiste, konsistente Farbrollen und einen strafferen Rhythmus zwischen Karten, Diagrammen und Tabellen.

Am Ende funktioniert die Hauptansicht einfach und gut nachvollziehbar: Nichts ist nur zum Selbstzweck da, die Wege bleiben kurz und dieselbe Struktur kann auch künftige Screens tragen.

Von der Flow-Map zum fertigen Dashboard

Erste Iteration: Wireframe-Flow der wichtigsten AxiomLens-Bereiche, Basis für das erste Lo-Fi-Dashboard und die Navigation.

Grundlagen des Designsystems

Relativ früh habe ich ein kleines Designsystem aufgesetzt, damit das Dashboard auch bei mehr Inhalt gut lesbar bleibt. Im Fokus standen eine Typografie, die neben Zahlen trägt, ein ruhiges Dark Theme und einfache Muster, die sich leicht auf neue Screens übertragen lassen.

Typografie

  • Lesbar auch unter Druck. Schriftgrößen bleiben klar neben dichten Tabellen und Charts.
  • Zweistufige Hierarchie. Überschriften führen, Labels und Hilfstexte halten sich zurück.
  • Monospace als Akzent. Sparsam für ausgerichtete Beträge und codeartige Details.

Farben & Flächen

  • Dunkler Hintergrund. Wirkt modern, ist angenehm für längere Sessions und lässt Diagrammlinien hervortreten. Ein Light Theme ist ebenfalls geplant!
  • Weiche Blautöne. Akzente fühlen sich analytisch und ruhig an, nicht nach Growth-Hacking-Hype.
  • Rahmen statt Schatten. Kaum Ebenen, damit der Fokus auf den Daten bleibt.

Abstände & Layout-Rhythmus

  • Einheitliche Skala. Gleiche Abstände und Größen über Bereiche und Komponenten lassen das Produkt wie aus einem Guss wirken.
  • Card-first-Struktur. Dichte Daten sind in klaren, gut lesbaren Modulen organisiert.
  • Saubere Ränder. Deutliche Außenabstände verhindern visuelles Clutter und lassen das Layout bewusst gesetzt wirken.

Kernkomponenten

Vier zentrale Komponentenfamilien leisten hier den Großteil der Arbeit. Werden sie über mehrere Screens hinweg wiederverwendet, bleibt das Produkt konsistent – auch ohne aufgeblasenes Designsystem.

Kennzahlen-Karten. Für Einnahmen, Ausgaben, Gewinn, Steuern und Rechnungs-KPIs. Einheitliches Muster: Label, Hauptwert, kleine Trendlinie oder Delta plus Icon.
Status-Badges. Kennzeichnen Zahlungs- und Insight-Status. Die gleiche Farbpalette in Tabellen und Karten sorgt dafür, dass „gut“, Warnung und neutral schnell sitzen.
AI-Insights-Karten. Etwas reichhaltigere Karten mit Icon, kurzem Titel, Erklärung und klarer Aktion. Sie machen aus Rohanalyse kleine, fokussierte Empfehlungen.
Icon-Set. Eignet sich für Navigation, Kennzahlen und Aktionen. Strichstärke und Eckenradius passen zum UI, die Icons stützen die Hierarchie statt mit den Zahlen zu konkurrieren.

Nächste Schritte

AxiomLens ist bisher ein Konzeptprojekt. Um daraus ein echtes Tool zu machen, bräuchte es ein komplettes Team aus Entwicklung, Data- und KI-Spezialist:innen, Security- und Compliance-Expert:innen, Steuerrecht und einem richtigen Support. Trotzdem hilft die Frage „Was kommt als Nächstes?“, die Richtung zu schärfen. Würde ich AxiomLens weiterentwickeln, würde ich mich vor allem auf Folgendes konzentrieren:

  • Light- und Dark-Theme. Der Dark Mode bleibt Standard, dazu kommen ein Light Theme und automatisches Umschalten nach Systemvorgabe. Moderne Browser unterstützen das bereits, deshalb müssen Layout und Farben in beiden Modi funktionieren, ohne zu zerfallen.
  • Mehrere Währungen und USt. Wichtig für Freelancer und Studios mit Kundschaft über Ländergrenzen hinweg: eine Ansicht, die Währungen, MwSt.-Sätze und Steuerregeln auf einen Nenner bringt.
  • Team-Modus. Rollen und Berechtigungen für Fälle, in denen mehr als eine Person den Cashflow im Blick haben muss – etwa Gründer, Assistenz oder externe Buchhaltung im selben Workspace.
  • Tiefere Anbindung an Banking und Rechnungen. Zuerst einfache Uploads von Kontoauszügen und Rechnungen direkt im Tool, später direkte Anbindungen an wichtige EU-Anbieter (Stripe, PayPal, SEPA, lokale Banken), damit Nutzer Zahlen nicht mehr manuell abgleichen müssen.
  • Verschiedene Kontotypen. Eine volle „Business-Owner“-Ansicht für Unternehmer:innen und eine schlankere „Client“-Ansicht nur zum Kommunizieren, Prüfen und Bezahlen von Rechnungen.
  • Steuerbereich. Eigener Bereich, der zeigt, welche Steuern gelten, auf Basis der vorhandenen Daten Steuersätze grob schätzt und pro Land oder Region wichtige Fristen und Erinnerungen bündelt.

Erkenntnisse

An AxiomLens zu arbeiten, bedeutete für mich weniger, ein schickes Dashboard zu bauen, und mehr zu verstehen, was Finanz-Tools wirklich nutzbar und vertrauenswürdig macht. Hier sind ein paar Punkte, die ich aus dem Projekt mitnehme:

  • Fragen zuerst, Screens danach. Als ich aufgehört habe in „Features“ zu denken und stattdessen gefragt habe: Was will jemand in den ersten 30 Sekunden wissen?, ist viel UI einfach weggefallen. So wurde viel klarer, was ganz nach oben gehört und was leise in die Details rutschen kann.

  • KI hilft nur, wenn sie am richtigen Ort landet. Von Anfang an war klar, dass die Insights einen eigenen Bereich brauchen, aber in einem so datenlastigen Produkt war die Positionierung schwierig. In den Usability-Sessions haben wir schließlich ein Layout gefunden, in dem die Leute die Insights wahrnehmen, ohne sie als störend zu empfinden.

  • Hohe Dichte ist teurer als man denkt. Auf dem Papier wirkte es, als würde „noch ein Chart“ problemlos in die Hauptansicht passen. In der Praxis hat jedes zusätzliche Element den Blick auf die Zahlen erschwert. Am Ende habe ich einige Ideen gestrichen und gelernt, lieber wenige starke Bausteine zu nutzen als eine Wand aus scheinbar „nützlichen“ Widgets.

  • Marke und Produkt müssen zusammenpassen. Das erste „Blende + Schaltlinien“-Logo wirkte clever, wurde aber eher als generisches KI-Tool gelesen. Mit einem klar finanzbezogenen Symbol waren die Erwartungen sofort justiert: Noch bevor jemand einen Text liest, ist klar, um welche Art von Produkt es geht.

  • Auch Konzeptarbeit zeigt die echte Komplexität. Sobald man die „nächsten Schritte“ etwas genauer durchdenkt – Steuern, mehrere Währungen, Integrationen, Rollen – merkt man, wie viel da wirklich dranhängt. Selbst ein sauber ausgearbeitetes Konzept baut auf einer Menge Engineering, Regulierung und Datenarbeit auf. Gute Erinnerung daran, wie komplex „einfache“ Finanzprodukte in Wirklichkeit sind.